Die kleine Schildkröte Theo, die ihr Zuhause bei sich trug
Am Ufer eines stillen, grünen Teiches, wo die Seerosenblätter schaukelten und das Schilf sich sanft im Wind wiegte, wohnte eine kleine Schildkröte namens Theo.
Alle anderen Tiere waren so schnell. Die Libellen sausten umher. Die Frösche hüpften. Die kleinen Fische blitzten silbern durchs Wasser. Und Theo … Theo war langsam. Schritt. Schritt. Schritt. Er sah allen zu, wie sie an ihm vorbeieilten, und manchmal seufzte er leise. „Ach, wäre ich doch schnell“, sagte er. „Ich bin überall der Letzte.“
Doch als die Sonne unterging und der Teich erst golden, dann rosa und schließlich tiefblau und dämmrig wurde, geschah etwas, das nur Theo konnte.
Eins nach dem anderen mussten die schnellen Tiere davoneilen, um ein sicheres Plätzchen zum Schlafen zu finden. Die Libelle suchte ein geschütztes Schilfrohr. Der Frosch suchte ein verstecktes Ufer. Der kleine Fisch huschte zu einem stillen Fleckchen zwischen den Wurzeln. Sie hasteten und wuselten – denn keiner von ihnen trug sein Zuhause bei sich.
Aber Theo? Theo blieb einfach stehen, genau dort, wo er gerade war, im weichen Schlamm am warmen Abendwasser. Er zog seine kleinen Beinchen ein und steckte sein Köpfchen hinunter, und da – kuschelig geborgen in seinem eigenen glatten Panzer – war das gemütlichste, sicherste kleine Schlafzimmer der ganzen weiten Welt. Und er trug es überallhin mit sich.
„Oh“, sagte Theo, warm und schläfrig in seinem Panzer. „Ich muss nirgendwohin eilen. Ich bin ja schon zu Hause. Ich bin immer zu Hause.“
Langsam zu sein, begriff er, hieß, dass er es nie eilig hatte. Langsam zu sein hieß, dass er zusehen konnte, wie der ganze Himmel von Gold zu sternenklarem Dunkel wurde. Langsam zu sein hieß, dass er, wenn es Zeit zum Ausruhen war, schon genau dort war, wo er sein wollte.
Der Teich wurde still und ruhig rundherum. Das Schilf hörte auf zu schaukeln. Die letzte Welle glättete sich, und das Wasser lag wie ein Spiegel unter dem aufgehenden Mond.
Und der kleine Theo, sicher und geborgen in dem gemütlichen Zuhause, das er auf dem Rücken trug, hatte es überhaupt nicht eilig – keine Eile, außer die Augen zu schließen, langsam und zufrieden, und ganz sanft in den Schlaf zu gleiten.