Der kleine Frosch Fietze und die Stille des Teiches
Auf einem großen grünen Seerosenblatt, mitten in einem warmen, schlammigen Teich, wohnte ein kleiner Frosch namens Fietze – und Fietze war für sein Leben gern beschäftigt.
Den ganzen Tag lang hüpfte Fietze. Er sprang von Seerosenblatt zu Seerosenblatt, platsch, platsch. Er fing summende Fliegen mit seiner flinken rosa Zunge, schnapp. Er blähte seine Kehle und schmetterte sein Froschlied, quak, quak, quak, so laut wie kein anderer Frosch im ganzen Teich. Fietze war nie, niemals still.
Doch als der Abend kam und der Himmel weich und rosa wurde, begann sich etwas im Teich zu verändern. Eins nach dem anderen wurden die geschäftigen Geräusche des Tages ganz leise.
Die summenden Fliegen setzten sich still ins Schilf. Die platschenden Fische wurden ruhig und langsam. Und überall am Teich begannen die anderen Frösche, sanfter zu singen – quak … quak … langsamer nun und leiser – ein tiefes, schläfriges Abendlied.
Doch Fietze wollte gar nicht langsam werden. „Ich bin doch nicht müde“, sagte er und hüpfte im Kreis auf seinem Seerosenblatt. „Es gibt noch so viel zu platschen! Es gibt noch so viel zu singen!“
Sein Großvater, ein großer alter Frosch mit gütigen, schweren Augen, kam auf einem breiten grünen Blatt näher geschwommen. „Hör mal, kleiner Fietze“, brummte er leise. „Der Teich singt sein Gute-Nacht-Lied. Kannst du es hören?“
Fietze hörte auf zu hüpfen, nur für einen Augenblick, und lauschte. Und ja – er konnte es hören. Der ganze Teich summte ein tiefes, langsames Schlaflied – das sanfte Quaken der Frösche, das leise Rascheln des Schilfs, das stille Plätschern des Wassers am Ufer. Es war das friedlichste Geräusch, das er je gehört hatte.
„So“, sagte der Großvater, „nun lass deine flinken Beine still werden. Lass deine laute Stimme leise werden. Und sing mit uns das Gute-Nacht-Lied.“
Also ließ Fietze sich auf seinem warmen Seerosenblatt nieder. Er ließ seine hüpfenden Beine ruhig werden. Er ließ sein Lied sanft und tief werden – quak … quak … langsamer und leiser und schläfriger – bis es nur noch ein Flüstern war.
Und gewiegt vom sanften Gute-Nacht-Lied des ganzen stillen Teiches schloss der kleine Frosch die Augen und schlief unter den ersten hellen Sternen sanft ein.