Die kleine Tigerin Tila und das Zählen der Streifen
Tief in einem warmen, grünen Dschungel, wo der Mond silberne Streifen aus Licht über den Boden warf, lebte eine kleine Tigerin namens Tila. Und heute Abend war Tila viel zu aufgedreht zum Schlafen.
Den ganzen Tag hatte sie gespielt. Sie war den Schmetterlingen durch die Farne nachgejagt. Sie hatte mit ihren Brüdern im kühlen Fluss geplanscht. Sie hatte ihren Sprung auf einem großen weichen Blatt geübt und gelernt, ein kleines Stück höher auf den alten Feigenbaum zu klettern. Es war der allerschönste Tag gewesen – so voll und so aufregend, dass jetzt, zusammengerollt an der Seite ihrer Mutter, Tilas Gedanken noch immer rasten und rasten.
„Ich kann nicht schlafen, Mama“, sagte sie und zappelte. „In meinem Kopf ist so ein Gewusel.“
Ihre Mutter, eine große, sanfte Tigerin, zog Tila dicht an ihre warme, gestreifte Seite. „Dann lass uns etwas Ruhiges zusammen tun“, schnurrte sie. „Lass uns deine Streifen zählen. Und für jeden Streifen erinnern wir uns an etwas Schönes von heute.“
„Meine Streifen zählen?“, fragte Tila.
„Die Streifen jedes Tigers sind etwas ganz Besonderes“, sagte Mama. „Fangen wir an.“ Sie berührte mit der Spitze ihrer Pfote den ersten weichen Streifen auf Tilas Rücken. „Eins … die Schmetterlinge in den Farnen.“
Tila lächelte und erinnerte sich. „Zwei“, flüsterte sie, „das Planschen im kühlen Fluss.“
„Drei“, summte Mama, langsam und tief. „Die warme Sonne auf deinem Fell.“
„Vier … das Klettern auf den Feigenbaum.“
Streifen für Streifen zählten sie, langsam und sanft im Dunkeln – und mit jedem schönen Ding, an das sie sich erinnerten, wurde Tila ein bisschen wärmer, ein bisschen schwerer, ein bisschen stiller. Das Gewusel in ihrem Kopf wurde ruhig. Ihre rasenden Gedanken legten sich, sanft wie fallende Blätter.
„Fünf … meine Brüder …“, murmelte Tila. „Sechs … Mama …“
Doch bevor sie den siebten Streifen erreichten, waren der kleinen Tila schon die Augen zugefallen, und ihr Atem ging langsam und tief. Warm eingehüllt in die Streifen ihrer Mutter, mit einem ganzen Tag voller schöner Dinge sanft um sich versammelt, war die kleine Tigerin fest eingeschlafen.