Die kleine Schlummerbahn
Wenn der Himmel dunkel wird und die Sterne herauskommen, fährt ein kleiner grüner Zug hinaus in die stille Landschaft. Sein Name ist die Schlummerbahn, und er hat nur eine einzige Aufgabe: müde Reisende sanft nach Hause ins Bett zu bringen.
Tuff-tuff … tuff-tuff … Der kleine Zug rollt aus dem Bahnhof, langsam und gleichmäßig, seine warmen gelben Fenster leuchten in der Dunkelheit.
An der ersten Station – Wiesenhalt – steigt eine Hasenfamilie ein, gähnt weit und lässt die Ohren hängen. Der kleine Zug wartet geduldig, bis auch das letzte Häschen auf einem weichen Sitz sitzt. Dann, tuff-tuff … tuff-tuff … rollt er wieder los, ein bisschen langsamer als zuvor.
An der nächsten Station – Flussufer – watschelt eine schläfrige Entenfamilie herein, das Gefieder zerzaust, die Augen halb geschlossen. Sie stecken die Köpfchen unter die Flügel, noch ehe der Zug sich überhaupt in Bewegung setzt. Tuff … tuff … los geht es wieder, noch langsamer.
An der Station Alte Eiche rollt sich ein verschlafenes Eichhörnchen in einer Ecke des Waggons zusammen. Auf dem Nebelfeld macht es sich ein wolliges Lämmchen mit einem weichen, müden Mäh gemütlich. Und mit jedem neuen Fahrgast wird der kleine Zug langsamer und langsamer und langsamer – denn je näher er dem Ende der Strecke kommt, desto schläfriger werden alle.
Tuff … … … tuff … … … Die Räder drehen sich jetzt langsam und schwer. Die Lok summt ein tiefes, warmes, brummeliges Lied. Draußen gleiten die dunklen Felder sanft vorüber, und die Sterne halten Wache am Himmel.
Einer nach dem anderen nicken die Fahrgäste ein, gewiegt vom sanften Schaukeln des Zuges – die Hasen, die Enten, das Eichhörnchen, das kleine Lämmchen, alle leise schnarchend.
Endlich erreicht die Schlummerbahn die letzte Station, den allerstillsten Bahnhof, wo der Bahnsteig weich ist und die Lampen ganz sanft leuchten. Doch niemand muss geweckt werden. Sie schlafen längst tief und fest, genau da, wo sie sein sollen.
Und der kleine grüne Zug, seine Arbeit getan, stößt einen letzten, langen, zufriedenen Seufzer Dampf aus – tuff … – und lässt seine Räder ruhen, bis zur nächsten Nacht.