Die kleine Elefantin Elli und der Fluss der Sorgen
An einem weiten, langsamen Fluss, unter einem Himmel voller warmer Sterne, stand eine kleine Elefantin namens Elli hellwach da. Rund um sie herum legte sich die Herde zum Schlafen nieder – doch Ellis Köpfchen wollte einfach nicht still werden.
„Was ist, wenn ich morgen am Wasserloch zu langsam bin?“, grübelte sie und trat von einem Fuß auf den anderen. „Was ist, wenn ich die hohen Blätter nicht erreiche? Was ist, wenn es regnet? Was ist, wenn, was ist, wenn, was ist, wenn?“ Jede Sorge fühlte sich schwer an, wie ein großer, nasser Baumstamm, den sie auf dem Rücken trug, und es waren so viele, dass sie kaum noch stehen konnte.
Mama Elefant kam leise durch das hohe Gras und stellte sich dicht neben sie, warm und riesig und ruhig. „Du trägst heute Nacht ganz schön viel, meine Kleine“, sagte sie. „Ich sehe es. Komm mit mir zum Fluss.“
Sie gingen zusammen ans Ufer, wo der Fluss vorbeiglitt, langsam und silbern im Mondlicht.
„So“, sagte Mama Elefant, „erzähl mir eine Sorge. Nur eine.“
„Was ist, wenn ich morgen zu langsam bin?“, flüsterte Elli.
„Gut. Und jetzt heb sie mit deinem Rüssel hoch – und leg sie hier ab, am Ufer, wo sie warten kann.“ Und so ringelte Elli ihren kleinen Rüssel, hob die schwere Sorge hoch und legte sie sanft auf das weiche Ufer neben dem Wasser. Und es fühlte sich leichter an, sie loszulassen.
Eine nach der anderen legten sie die Sorgen ab. Die hohen Blätter – ab ans Ufer. Der Regen – ab ans Ufer. Jedes schwere Was-wäre-wenn wurde hochgehoben und neben dem stillen Fluss abgelegt, damit es auf den Morgen wartete.
„Deine Sorgen laufen nicht weg“, sagte Mama Elefant sanft. „Sie warten genau hier. Und am Morgen, im Tageslicht, werden die meisten viel kleiner aussehen – so klein, dass du einfach darübersteigen kannst. Aber die Nacht ist nicht zum Tragen da. Die Nacht ist zum Ausruhen.“
Ellis Rücken fühlte sich jetzt leicht an. Ihre schweren Augen wurden weich. Sie lehnte sich an die warme graue Seite ihrer Mama und spürte das langsame, tiefe Trommeln ihres Herzens.
„Gute Nacht, meine kleine Elli“, summte Mama Elefant, tief und warm. „Leg alles ab. Ich bin ja da.“
Und die kleine Elefantin, ihre Sorgen sicher am Fluss verwahrt bis zum Morgen, atmete langsam aus, atmete noch langsamer aus und glitt sanft hinüber in den Schlaf, unter dem warmen, sternenklaren Himmel.