Der kleine Wal Wilma und das Lied des Meeres
Weit draußen im großen, tiefen Ozean, wo das Wasser von Blau zu samtigem Dunkel wird, schwamm ein kleiner Wal namens Wilma.
Rings um sie herum dehnte sich das Meer immer weiter, weiter, als sie je sehen konnte. Die anderen Wale ihrer Gruppe waren zum Ruhen davongeglitten, und für einen Augenblick, ganz allein in all dieser Weite treibend, fühlte Wilma sich sehr klein.
„Hier draußen ist alles so groß“, flüsterte sie ins Wasser. „Und so dunkel. Und ich bin ganz allein.“
Doch dann kam von irgendwo tief und weit entfernt ein Klang durch das Meer gerollt. Ein langer, tiefer, sanfter Ton — und dann noch einer — weich wie ein Wiegenlied, warm wie eine Umarmung. Es war das Lied ihrer Mama, das viele, viele Meilen durch das Wasser gereist war, um sie zu erreichen.
Wilma wurde ganz still und lauschte. Und sie hörte, dass sie überhaupt nicht allein war. Sie hörte, wie das Lied ihrer Mama sich um sie legte. Sie hörte, wie der ganze Ozean summte — die Gezeiten, die sich langsam wendeten, die Strömungen, die sich wiegten, eine ferne Gruppe, die durch das Dunkel zurücksang.
Das Meer war nicht leer. Es war voller Gesang, und alles daran war sanft, und alles daran war nah.
Wilma sang einen kleinen Ton zurück — eine weiche kleine Blase von einem Lied — und über die Meilen hinweg antwortete die Stimme ihrer Mama, tief und liebevoll: Ich bin da. Ich bin da. Ruh dich jetzt aus.
Geborgen im großen, warmen Lied des Meeres fühlte Wilma sich nicht mehr klein. Sie fühlte sich gewiegt von etwas Weitem und Gütigem, geschaukelt von den langsamen, tiefen Wellen.
Sie ließ ihre Flossen ganz locker. Sie ließ sich treiben und wiegen mit der Strömung, während der Ozean rings um sie sein tiefes Wiegenlied sang.
„Gute Nacht, Meer“, summte sie. „Gute Nacht, Mama.“
Und der kleine Wal, vom ganzen weiten Ozean geschaukelt und in den Schlaf gesungen, schloss die Augen und glitt sanft hinab in seine Träume.