Der kleine Regenbogen, der lernte, sich auszuruhen
Nach dem Regen an einem Nachmittag, als die Sonne durch die Wolken brach, spannte sich ein ganz neuer Regenbogen über den Himmel. Er war das hellste, fröhlichste Ding weit und breit – rot und orange und gelb, grün und blau und violett – und leuchtete über die nasse, glänzende Welt.
Die Kinder unten zeigten hinauf und lachten. „Ein Regenbogen! Ein Regenbogen!“ Und der kleine Regenbogen strahlte und leuchtete, so hell er nur konnte, so stolz war er, alle zum Lächeln zu bringen.
Aber Leuchten ist harte Arbeit. Als der Nachmittag langsam in den Abend glitt, wurde der kleine Regenbogen müde. Seine hellen Farben fühlten sich schwer an. Sein Leuchten flackerte, nur ein kleines bisschen.
„Ich will nicht verblassen“, sagte er zu der weichen, grauen Wolke neben ihm. „Wenn ich verblasse, bin ich weg. Und alle haben mich lieb, wenn ich leuchte.“
„Ach, mein Kleiner“, sagte die Wolke sanft. „Du verschwindest doch nicht, wenn du dich ausruhst. Du faltest nur … deine Farben für eine Weile zusammen und lässt den Himmel dunkel und still werden, damit alle schlafen können. Das ist auch ein Geschenk.“
„Aber komme ich wieder?“, fragte der Regenbogen.
„Immer“, sagte die Wolke. „Jedes Mal, wenn der Regen und die Sonne miteinander tanzen, bist du wieder da – frisch und hell und ganz neu. Ausruhen ist nicht dein Ende. So kommst du morgen wieder.“
Da holte der kleine Regenbogen langsam Luft und begann loszulassen. Zuerst wurde das Violett weicher, dann das Blau, dann das Grün – jede Farbe wurde ganz sanft dunkler, wie eine Kerze, die man leiser dreht. Der Himmel ging von Gold zu Rosa zu tiefem, träumerischem Dunkel, und einer nach dem anderen kamen die Sterne dort heraus, wo seine Farben gewesen waren.
„Gute Nacht“, flüsterte der kleine Regenbogen, als der letzte Rest seines Leuchtens sanft in die Nacht schmolz. „Bis nach dem Regen.“
Und er ruhte sich aus – sicher zusammengefaltet hinter dem dunklen, schlafenden Himmel – und wartete, wie alles andere auch, auf den Morgen.
Und tatsächlich: Das allernächste Mal, als der Regen und die Sonne herauskamen, um miteinander zu spielen, war er wieder da: heller und fröhlicher als je zuvor, und spannte all seine Farben über den Himmel.