Kapitän Kalle und das schläfrige Meer
Auf einem feinen kleinen Schiff mit einem geflickten weißen Segel fuhr der kleinste, fröhlichste Pirat auf allen sieben Meeren – ein junger Piratenkapitän namens Kalle, mit einem großen Federhut, der ihm immer wieder über ein Auge rutschte.
Was für Abenteuer Kalle an diesem Tag erlebt hatte! Er hatte das Schiff durch die spritzenden Wellen gesteuert. Er war den hohen Mast hinaufgeklettert, um nach Land Ausschau zu halten. Er war einer alten Karte zu einer sandigen Insel gefolgt und hatte eine Truhe voll funkelndem Schatz ausgegraben. „Jo ho ho!“, hatte er den ganzen Tag gerufen, während er unter dem hellblauen Himmel segelte.
Doch nun ging die Sonne unter, tief und golden, über dem weiten, ruhigen Meer. Die Wellen waren sanft und langsam geworden. Der Wind war zu einer warmen, schläfrigen Brise verweht. Und Kapitän Kalle gähnte herzhaft und laut.
„Zeit, den Anker zu werfen, Mannschaft“, sagte er. Und hinab ging der Anker, platsch, ins stille Wasser. Herab kam das Segel und legte sich sanft zusammen. Und das kleine Schiff schaukelte, ganz sanft, auf dem ruhigen, schläfrigen Meer. Hinauf … und hinab. Hinauf … und hinab. Langsam und weich, wie eine Wiege.
Kalle kletterte in seine kleine Koje unter Deck, wo ein rundes Fenster den aufgehenden Mond zeigte. Er nahm seinen großen Federhut ab und legte ihn sorgsam an seine Seite. Und er dachte über den allerwichtigsten Schatz nach.
„Gold und Juwelen sind schön und gut“, gähnte er und kuschelte sich unter seine gemütliche Decke. „Aber jeder gute Pirat weiß, dass der allerschönste Schatz eine warme Koje, ein ruhiges Meer und ein guter Schlaf ist.“
Das Schiff wiegte ihn sanft, hinauf und hinab, hinauf und hinab. Die Wellen plätscherten leise gegen den Rumpf. Der Mond schien durch das kleine runde Fenster herein, silbern und freundlich, und hoch oben kamen die Sterne heraus wie verstreute Silbermünzen am Himmel.
Und der kleinste, fröhlichste Pirat auf allen sieben Meeren – vom sanften, schläfrigen Meer in den Schlaf gewiegt – schloss die Augen, umarmte seinen Federhut und segelte glücklich und warm hinein in eine Nacht voll wunderbarer Träume.