My Lullaby

Gute-Nacht-Geschichten für 5-Jährige

Fünfjährige können schon einer etwas volleren Geschichte mit einem kleinen Abenteuer folgen — aber immer noch ruhig genug zum Einschlafen. Hier ist eine für heute Abend.

My Lullaby schreibt jeden Abend eine neue, altersgerechte Geschichte mit Ihrem Kind als Held und schickt sie ins Postfach.

Der schläfrige kleine Bär

Ein kleiner Bär erkundete den ganzen Tag den Wald.

Er fand eine Stelle mit süßen Beeren. Er sah den silbernen Fischen zu, die im Fluss flitzten. Er kletterte einen Baum halb hinauf und dann vorsichtig wieder hinunter.

Als der Himmel von Gold zu tiefem Blau wurde, fühlte der kleine Bär seine Pfoten schwer und langsam werden.

Er tapste zurück zur warmen Höhle, wo Papa Bär wartete.

"Hattest du einen schönen Tag?" brummte Papa Bär sanft.

"Den besten," gähnte der kleine Bär und kuschelte sich in die weichen Blätter.

Draußen stieg der Mond auf, rund und hell, und der ganze Wald wurde still und ruhig.

Der kleine Bär holte einmal langsam Luft, dann noch einmal, und schloss die müden Augen.

Und er schlief die ganze Nacht tief und fest, und träumte von den Abenteuern von morgen.

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Der Leuchtturm, der wach blieb

Am Ende des Hafens stand ein kleiner weißer Leuchtturm, und jede Nacht tat er dasselbe: Er drehte sein Licht im Kreis, und im Kreis, und im Kreis.

Greta wohnte im letzten Haus an der Hafenstraße. Von ihrem Fenster aus konnte sie den Lichtstrahl vorbeiziehen sehen — hell, dann dunkel, dann wieder hell, so gleichmäßig wie Atmen.

Eines Abends fragte sie ihren Großvater: „Wird der Leuchtturm denn nie müde?"

„Doch", sagte er. „Aber er weiß, dass die Fischerboote noch draußen sind. Also wartet er."

Greta dachte an die Boote auf dem schwarzen Wasser und daran, wie das Licht sie eins nach dem anderen fand und ihnen den Weg hinein zeigte.

Sie sah den Strahl vorbeiziehen. Hell. Dunkel. Hell.

Irgendwo draußen kam ein Motor näher. Ein Boot glitt in den Hafen und machte fest, sicher.

Und erst dann, die Stirn kühl am Fensterglas, schlief Greta ein.

Der lange Weg nach Hause

Das junge Reh war weiter gegangen, als es vorgehabt hatte.

Den ganzen Nachmittag war es dem Duft von grünen Dingen gefolgt — über den Bach, den Hang hinauf, in einen Teil des Waldes, den es nicht kannte. Jetzt ging das Licht, und alles sah anders aus.

Es blieb ganz still stehen und lauschte.

Zuerst war da nichts. Dann, weit weg, hörte es Wasser über Steine laufen. Dieses Geräusch kannte es. Das war der Bach, den es am Morgen überquert hatte.

Also ging es darauf zu, langsam, so wie man geht, wenn man sich nicht ganz sicher ist.

Der Bach führte es den Hang hinunter. Der Hang führte es zur Lichtung. Die Lichtung roch nach seinem eigenen Rudel, warm und vertraut — und da stand seine Mutter am Rand und wartete genau dort, wo sie es gesagt hatte.

Es legte die langen Beine zusammen und legte sich neben sie ins Gras.

Es hatte ein bisschen Angst gehabt. Jetzt nicht mehr.

Der Wald wurde still, und das junge Reh schlief.

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