Der kleine Fuchs Finn und die Geheimnisse der Nacht
In einem Bau tief unter den Wurzeln einer alten Eiche, am Rand eines mondbeschienenen Waldes, wohnte ein kleiner Fuchs namens Finn. Sein Fell schimmerte wie Herbstlaub, und in seinem Kopf war es immer, immer geschäftig.
Finn liebte die Nacht. Während der ganze Wald langsam müde wurde, stellte er seine Ohren bei jedem Geräusch auf. Was raschelte da im Farn? Wohin flog die Eule? Was lag wohl hinter dem fernen Hügel, wo er noch nie gewesen war? Seine Gedanken sprangen von einem Wunder zum nächsten, und seine Pfoten zuckten, weil sie jedem einzelnen nachjagen wollten.
„Ich kann nicht schlafen“, sagte er zu seiner Mama und drehte sich im Kreis. „Es gibt so viel zu entdecken. Die Nacht ist voller Geheimnisse, und ich will sie alle sofort finden.“
Mama Fuchs schlang ihren warmen Schwanz um ihn und zog ihn dicht an den Eingang des Baus, von wo aus sie den ganzen stillen Wald sehen konnten.
„Die Nacht bewahrt wirklich Geheimnisse“, sagte sie leise. „Aber schau nur — siehst du, wie sanft sie sie hütet?“
Finn schaute. Der Wald war still und silbern. Der Farn wiegte sich langsam. Der ferne Hügel lag ruhig unter den Sternen und bewahrte, was immer er bewahrte, ganz ohne Eile.
„Das Rascheln im Farn ist morgen auch noch da“, sagte Mama Fuchs. „Und der Hügel, und der Bach, und jeder Weg, den du noch nicht gegangen bist. Die Nacht läuft nicht davon. Sie hält all ihre Wunder gut behütet, nur für dich, bis zum Morgen.“
„Das heißt, ich muss sie heute Nacht gar nicht finden?“, fragte Finn.
„Heute Nacht nicht“, sagte sie. „Heute Nacht ruhst du. Und dein flinker, kluger Kopf ruht auch — damit er am Morgen wieder hell und bereit ist, sich zu wundern.“
Finn atmete langsam aus. Seine wirbelnden Gedanken wurden ruhiger, wie Blätter, die eins nach dem anderen zum Waldboden schweben, bis sie ganz still liegen bleiben.
Er schob seine Nase unter seinen herbstroten Schwanz. Die Geheimnisse der Nacht warteten geduldig und sicher rund um ihn herum.
„Gute Nacht, ihr Geheimnisse“, flüsterte er. „Morgen finde ich euch.“
Und der kleine Fuchs, den klugen Kopf endlich ganz still, glitt sanft hinüber in den Schlaf.