Der kleine Drache Ember und der schläfrige Mond
Hoch oben auf einem weichen grünen Hügel, über einem Tal voller gemütlicher Höhlen und stiller Bäche, lebte Ember — der kleinste Drache weit und breit.
Ember liebte den Tag. Tagsüber gab es so viel zu tun! Man musste durch die Wolken fliegen, immer im Kreis. Man musste mit warmem Atem die kalten grauen Steine am Fluss wärmen, damit die Hasen ein kuscheliges Plätzchen hatten. Man musste zwischen den hohen Bäumen hindurchgleiten und mit der Flügelspitze das hohe Gras streifen.
Doch wenn die Sonne hinter den Hügeln verschwand und das Tal dunkel wurde, hatte Ember ein Problem. Alle wurden müde — die Hasen, die Vögel, sogar die geschäftigen Käfer —, nur Ember konnte nicht zur Ruhe kommen. Der ganze Tag funkelte noch in ihm wie hundert kleine Funken, die nicht ausgehen wollten.
Eines Abends stieg der große runde Mond über den Hügel.
"Kleiner," sagte er sanft, mit einer Stimme weich wie das Mondlicht selbst, "setz dich zu mir. Schau, wie ich es mache."
Ember kletterte auf die Hügelkuppe und setzte sich. Der Mond atmete langsam einen langen, silbernen Atemzug aus — und der ganze Himmel wurde still und ruhig. Die Sterne hörten auf zu rennen. Der Wind legte sich ins Gras. Sogar der Bach schien zu verstummen.
"Jetzt du," sagte der Mond. "Aber statt Feuer atme etwas Sanftes aus."
Ember atmete langsam ein — und statt einer Flamme atmete er eine kleine, warme Wolke aus, weich wie eine Decke. Sie stieg auf und legte sich um Embers Schultern.
"Noch einmal," flüsterte der Mond. "Langsamer."
Ember atmete eine weitere Wolke aus, langsamer und sanfter. Und dann noch eine, ganz langsam. Mit jedem Atemzug verloschen die Funken, und die schweren Flügel begannen sich zu falten.
Unten hielten die warmen Steine die schlafenden Hasen gemütlich. Die Vögel steckten die Köpfe unter die Flügel. Der ganze Hügel wurde weich, dunkel und friedlich.
Ember gähnte ein riesiges Drachengähnen, rollte sich zusammen wie eine glühende Kohle im Kamin und schloss die schweren Augen.
"Gute Nacht, Ember," flüsterte der schläfrige Mond und zog eine dünne silberne Wolke über den Hügel wie eine Decke.
Und der kleinste Drache weit und breit, warm und endlich still, schlief tief und fest ein.